Josefskirche - Geschichte
Am 1. März 1945 wurde die Stadt Bruchsal zu 80 Prozent durch einen Fliegerangriff zerstört. Stadtpfarrei, Hofpfarrei und St. Paul verloren alles, nur St. Peter blieb im Wesentlichen verschont. Bis zum Wiederaufbau des Chores der Stadtkirche im Jahre 1949 war nur noch im Bezirk westlich der Bahnlinie Karlsruhe-Heidelberg, also im heutigen Gebiet von St. Josef, ein kirchliches und gottesdienstliches Leben möglich. Dort suchte man für die nächste Zukunft Notunterkünfte. Der Tagesraum einer Lackfabrik in der Talstraße, die damals noch zur Hofpfarrei zählte, diente für den Gottesdienst wie auch die Räume einer ehemaligen Schlosserei in der heutigen Werner-von-Siemens-Straße. Im Jahre 1954 löste dann die eingerichtete Notkirche im Kindergartengebäude, ebenfalls in der Werner-von-Siemens-Straße gelegen, die bisherigen Notunterkünfte ab.
Zu dieser Zeit sollte auch die Geschichte der selbständigen Pfarrei St. Josef beginnen. Als 1953 für das Gewann "Boppeläcker" im Nordwesten der Stadt Bruchsal ein Bebauungsplan erstellt wurde, der Wohnraum für 2500 Personen vorsah, musste eine Kirche mit Pfarrhaus und Kindergarten für dieses Gebiet eingeplant werden.

Man wollte eine moderne, vom Denken und Fühlen unserer Zeit geprägte Kirche bauen. Nach zweijähriger Bauzeit konnte die Kirche schließlich am 23. Dezember 1964 benediziert werden. Rechtzeitig zu Weihnachten fand so die über mehrere Stationen verlaufende "Herbergssuche" ein gutes Ende. Die Notkirche im Kindergarten wurde zur Erweiterung der Kindergartenräume verwendet.
Mit Wirkung vom 15. Oktober 1965 wurde der neue Seelsorgebezirk St. Josef gebildet. Die Pfarreigrenzen sind im Osten die Bahnlinie Karlsruhe-Heidelberg, im Norden die Bahnlinie nach Graben-Neudorf, im Westen die Gemarkungsgrenze und im Süden die Bundesstraße 35 bzw. die Saalbach bis zur Autobahn. Die Erhebung zur selbständigen Pfarrei erfolgte zum gleichen Datum. Zum ersten Pfarrer von St. Josef wurde der Pfarrer der Stadtpfarrei Unsere Liebe Frau und Initiator des Kirchenbaus, Geistlicher Rat Franz Hennegriff ernannt. Am 1. Mai 1966 fand die feierliche Konsekration der Pfarrkirche durch Weihbischof Gnädinger statt.

Die Kirche, aus Beton und Glas errichtet, Ausdruck unserer Zeit, will für Menschen unserer Zeit eine geistige Heimat sein. Der Architekt Rainer Disse aus Karlsruhe verwirklichte auf einem quadratischen Grundriss von dreißig auf dreißig Metern die Idee einer königlichen Halle. Die Fenster, von K. J. Overkott gestaltet, steigern die Raumumfassung eindrucksvoll mit ihren Farbsymbolen.
An der Nordostseite versinnbildlichen die Farbfenster das Geheimnis der Osteracht: In das Violett der Fastenzeit und der Karwoche stürzen Fluten von überirdischem Licht, die das Rot des blutigen Opfertodes und die Katastrophe des Grabes verdrängen. An der Südwestseite symbolisieren die Fenster die Vision aus der Offenbarung: das himmlische Jerusalem, die goldene Stadt, deren Länge so groß ist wie die Breite, deren Tore zwölf Perlen gleichen.
Die Morgensonne lässt so den Morgen der christlichen Heilszeit erstrahlen, und die Abendsonne verklärt die große Hoffnung auf die neue Welt am Ende der Zeit, die Herrlichkeit des Gottesreiches in seiner Endgestalt. Der Weg dorthin ist lang und beschwerlich; wir können ihn nur zu Ende gehen, wenn wir von dem Brot essen, das uns, dem pilgernden Gottesvolk, in dem Gotteshaus gereicht wird.
"Seht das Zelt Gottes unter den Menschen! Er wird unter ihnen wohnen. Sie werden sein Volk sein, und Gott selbst wird unter ihnen sein als ihr Gott." An dieses Wort der Offenbarung denken wir beim Eintritt in die Josefskirche. Dies ist eine beglückende Feststellung, dass Gott unter uns wohnt. Es ist aber auch ein Auftrag an die Pfarrgemeinde St. Josef: Das immer neu zu werden, was sie der Berufung nach sein muss, ein lebendiges Volk Gottes!
Der Titel der Kirche - sie ist Josef, dem Mann der Arbeit geweiht - verdeutlicht noch den Auftrag der zu dieser Kirche zählenden Pfarrangehörigen. Arbeiter und Angestellte, die zum großen Teil in Industriebetrieben, die auf dem Pfarrgebiet liegen, ihr Brot verdienen, mögen im heiligen Josef, dem verantwortungsvollen Ernährer und Mann einer bewussten Alltagsfrömmigkeit das Vorbild ihres Christenlebens sehen. Josef war ein Wegbereiter für den Herrn; wir sind aufgerufen, es immer mehr zu werden.
Pfr. Heinrich Trayer (Pfarrer in St. Josef von 1974 bis 1999)
