Ich muss ohne Wenn und Aber sagen können: Jesus Christus ist der Sohn Gottes
| Meditation mit Präses und Pfarrer Edgar Neidinger am Freitag, 18.06.2010 Zum 27. Mal in der Geschichte des Hofkirchenchores begaben sich die Teilnehmer über die Stationen zum Feldkirchle Pfarrer Neidinger sagte: 1. Station Es ist nicht unser erster Weg zum Feldkirchle, es sind jetzt schon weit über 20 mal. Ich habe zwei Bemerkungen im Voraus, zum einen, dass der Hofkirchenchor offensichtlich so brav war, dass der Himmel alle Regenwolken abhält. Ich finde es sehr angenehm und schön, dass wir draußen sein können. Zum anderen muss ich gestehen, dass ich noch einmal kurzfristig total umdisponiert habe. Ursprünglich wollte ich an die Fußballweltmeisterschaft anknüpfen. Nach dem ermüdenden Fußballspiel habe ich andere Gedanken gefunden. Ich bin dem lieben Gott immer dankbar, wenn er mir was einfallen lässt. Ich dachte mir, dass wir jede Woche am Ende unserer Anbetungen in der Kirche immer ein Stück weit Weltkirche praktizieren und wiederspiegeln. Dort singen wir am Schluss nach dem Segen und kurz vor der heiligen Messe die jeweilige lateinische marianische Antiphon der Weltkirche. Und zwar ganz bewusst lateinisch. |
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Alma redemptoris mater, quae pervia caeli porta manes, et stella maris, succure cadenti, surgere qui curat populo: tu quae genuisti, natuta mirante, tuum sanctum genitorem, virgo prius ac posterius, Gabrielis ab ore sumens illud ave, peccatorum miserere. In der Hofkirche oder auch in anderen Gottesdiensten mache ich oft gerne beim Lied auf die Fußnote aufmerksam. Hier: Text aus dem Jahre 1154. So lange wird diese Hymne in der Kirche bereits praktiziert. In der wortwörtlichen Übersetzung heißt sie: Erhabene Mutter des Erlösers, du allzeit offene Pforte des Himmels und Stern des Meeres, komm zu Hilfe dem sinkenden Volke, das sich zu erheben sucht. Zum Staunen der Natur hast du deinen heiligen Schöpfer geboren. Jungfrau warst du vor und nach der Geburt; aus Gabriels Mund nahmst du den herrlichen Gruß entgegen; erbarm dich der Sünder. Diese Aussage aus diesem frühen Jahrhundert stellt eine geballte Theologie dar wie man es sich kaum vorstellen kann. Sie wissen ja, dass manche Menschen sich darüber mokieren, dass der Papst im Jahre 1854 dieses als Dogma verkündete: die unbefleckte Empfängnis Mariens. Daraus haben sich manche obskure Vorstellungen entwickelt. Wir feiern am 8. Dezember, dass Gott, um seinem Sohn eine würdige Wohnstatt zu bereiten, seine Mutter vom ersten Augenblick ihres Daseins an, von der Erbschuld bewahrt hat. Maria ist die Mutter des Erlösers ! Es ist nach wie vor staunenswert, dass Gott gerade diesen Weg beschritten hat. Alles dreht sich um die Gottessohnschaft Jesu. Er, Gottes Sohn ist von dieser einfachen Frau aus dieser Welt und von dieser Erde geboren. Wenn Sie oft von mir hören, dass ich immer wieder sehr stark betone, dass die größten Aussagen über unsere Erlösung mit dem Verstand nicht zu begreifen sind, dann ist es nicht so, wie manche mich fehlinterpretieren, dass damit der Verstand nichts mehr bedeute. Im Gegenteil: Jeder braucht die Ratio ständig, z.B. im wirtschaftlichen Bereich. Wenn ich jüngst die 750 Milliarden erwähnte, die in einen Topf für Europa geworfen wurden, für Notfälle wie Griechenland, dann weiß mein Verstand, dass bei 10% Zins und Tilgung pro Jahr 75 Milliarden notwendig sind, um allein dieses Darlehen zu decken. Das ist für uns mit dem Verstand nachvollziehbar. Viele Glaubenswahrheiten übersteigen den Verstand: Die großen Zusammenhänge, dass Gott um uns Menschen zu erlösen, in Nazareth diese Frau Maria ausgesucht hat, dass der Eine Gott Mensch wird, dass er uns erlöst hat aus dem ewigen Tod: diese Aussage hat die Kirche im Laufe ihrer Geschichte immer wieder eingewoben in die alten Antiphonen. Damit meine ich, Glaube ist mehr ist als nur Tagesaktuelles zu diskutieren, gefällt mir die Nase des Papstes oder nicht, Thema Missbrauch und vieles mehr. Letzteres tut auch mir weh., Dabei werden aber alle Dinge, die mit der Substanz des Glaubens zusammenhängen, nicht berührt. Singen wir jetzt als gläubige Antwort auf diese Gedanken die gleiche Melodie wie “Alma redemptoris mater“ mit deutschem Text: Maria, Mutter unsres Herrn. o Himmelspfort, o Meeresstern, hilf der bedrängten Christenheit auf ihrem Wege durch die Zeit. Ein Staunen die Natur erfasst, dass du den Herrn geboren hast, den Herrn und Schöpfer aller Welt, der dich erschaffen und erwählt. |
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2. Station Die Flucht nach Ägypten. Hier ist mit einem Stichwort alles gesagt: wie oft fliehen wir vor dem Glauben, wir unterhalten uns über alles, oftmals nicht mehr über die tiefen Inhalte und dabei bröckelt das Wesentliche. Wir dürfen das Leben entfalten. Gott erwartet uns in der Ewigkeit, weil er uns aus Liebe erlöst hat. Diese Grundaussagen sind heute gar nicht mehr so up to date, man spricht lieber über Veränderungen oder wie die Kirche modern zu erscheinen hat. Wenn wir die 2. marianische Antiphon Ave Regina caelorum singen, die in der Weltkirche von Aschermittwoch bis Gründonnerstag gesungen wird, dann sind es wiederum selbstverständliche Aussagen aus dem 12. Jahrhundert. Das Größte ist wohl, dass Maria als Himmelskönigin angesprochen wird, dass eine menschliche Frau plötzlich auch über die Engel gestellt wird. Die den Erlöser geboren hat, ist von IHM verherrlicht. An ihr dürfen wir wahrnehmen was am Karfreitag und Ostern für uns alle geschehen ist. Ave Regina caelorum, ave, Domina angelorum: Salve radix, salve porta, ex qua mundo lux est orta: Gaude Virgo gloriosa. Super omnes speciosa: Vale, o vale decora. Et pro nobis Christum exora. Und übersetzt : Ave, du Himmelskönigin, ave, der Engel Herrscherin. Wurzel, der das Heil entsprossen, Tür, die uns das Licht erschlossen: Freu dich, Jungfrau, voll der Ehre, über allen Seligen Hehre, sei gegrüßt, des Himmels Krone, bitt´ für uns bei deinem Sohne. Wir singen jetzt in der deutschen Version: Maria, Himmelskönigin, der Engel hohe Herrscherin, o Wurzel, der das Heil entsprießt, du Tor des Lichtes, sei gegrüßt. Freu dich, du bist an Ehren reich, dir ist an Gnaden keine gleich. Ach bitt für uns an Gottes Thron bei Jesus deinem lieben Sohn. 3. Station Hier sitzt Jesus als 12-jähriger mitten unter den Gelehrten in Jerusalem. In dem Satz: Die Weisheit Gottes ist eine andere als die von uns, ist eigentlich alles gesagt. Bei uns macht sich die Mentalität immer mehr breit; einmal gut gelebt zu haben, reicht. In bald 25 Jahre am Ort ist kenne ich viele Familien mit ihren Schicksalen. So erfahre ich weitest, dass trotz guten Lebens wir eben nicht ewig auf dieser Erde bleiben. Die Weisheit Gottes ist eine ganz andere als unsere. Selbstverständlich gibt es die Ewigkeit, selbstverständlich können wir nicht von uns aus dort hinkommen, selbstverständlich war es für Gott, dass er uns erlöst. Karfreitag und Ostern sind nicht selbstverständlich und wir können nicht sagen: Leben – Sterben - Auferstehen: sondern wir erkennen das Eingreifen Gottes. Hier kommt die österliche marianische Antiphon (aus der Zeit um 1170) zum Tragen. Dieses großartige Regina caeli ist der Gesang, bei dem wir über uns hinausblicken können. Das ist die Grundbotschaft unseres Chistentums! Regina caeli, laetare, Halleluja, quia quem meruisti portare, Halleluja, resurrexit sicut dixit, Halleluja, ora pro nobis Deum, Halleluja. O Himelskönigin, frohlocke, Halleluja. Denn er, den du zu tragen würdig warst, Halleluja, ist erstanden wie er sagte. Halleluja. Bitt Gott für uns, Maria. Halleluja. Sie merken sicher, was mich in letzter Zeit immer mehr umtreibt und auch wie ein roter Faden durch meine Predigten geht. Diese Grundaussage der Ewigkeit ist bei vielen nicht mehr klar. Das geht so weit, dass ich bei Sterbefällen öfters die Bemerkung höre: O Herr Pfarrer, glauben Sie dass es wirklich einen Gott und eine Ewigkeit gibt? Wenn die Kirche in Europa, auch bei uns in Deutschland, Zukunft haben will, dann geht es nur über die innere Erneuerung der Kernbotschaft. Ich muss ohne WENN und ABER sagen können, dass Jesus Christus der Sohn Gottes ist. Er ist für uns am Kreuz gestorben und von den Toten auferstanden. Wie Paulus im Römerbrief sagt: Er tritt beim Vater für uns ein. Wenn wir hierbei nur mit wissenschaftlichen Erkenntnissen aufwarten und versuchen, Abstriche an dieser Grundaussage machen zu wollen, dann können wir einpacken. Wir sind kein Spass-Betrieb mit: ein bisschen Frieden, ein bisschen Freude und ein bisschen Eierkuchen, vielleicht ein bisschen Liebe und damit hat es sich. Das ist alles zu wenig. Wir dürfen Freude am Leben haben – aber nicht bloß um sich selbst kreisen, sondern mit dem ungeheuerlichen Ausblick, den uns Gott selbst gegeben hat. So lasst uns jetzt das Regina caeli in der deutschen Version singen: Freu dich, du Himmelskönigin, - freu dich, Maria! Freu dich , das Leid ist all dahin. Halleluja. Bitt Gott für uns, Maria. Den du zu tragen würdig warst, freu dich, Maria! der Heiland lebt, den du gebarst. Halleluja. Bitt Gott für uns, Maria. 4. Station Regina caeli, das von der Osternacht bis zum Samstag nach Pfingsten gesungen wird, wird am Dreifaltigkeitssonntag abgelöst durch das weltweit am längsten in der kirchlichen Jahreszeit gesungene Salve, Regina. Warum ich das Lied gerade für diese Station ausgewählt habe, ist: Maria sieht ihren Sohn am Kreuzweg leiden. So heißt es auch im Psalm: Zu dir seufzen wir trauern und weinend in diesem Tal der Tränen. Singen wir es gemeinsam mit dem lateinischen Text: Salve, Regina, mater misericordiae; vita dulcedo et spes nostra, salve. Ad te clamamus, exsules filii Evae. Ad te suspiramus, gementes et flentes in hac lacrimarum valle. Eia ergo, advocata nostra, illos tuos misericordes oculos ad nos converte. Et Jesum, benedictum fructum ventris tui, nobis post hoc exsilium ostende. O clemens, o pia, o dulcis Virgo Maria. Übersetzt heißt es: Sei gegrüßt o Königin, Mutter der Barmherzigkeit, unser Leben, unsere Wonne und unsere Hoffnung, sei gegrüßt! Zu dir rufen wir verbannte Kinder Evas; zu dir seufzen wir trauernd und weinend in diesem Tale der Tränen. Wohlan denn, unsere Fürsprecherin, wende deine barmherzigen Augen zu uns, und nach diesem Elend zeige uns Jesus, die gebenedeite Frucht deines Leibes. O gütige, o milde, o süße Jungfrau Maria. Der Text zeigt auf, dass bereits früheren Generationen bewusst war: wir alle müssen sterben. Wir sind verbannte Kinder Evas, verdammt aus dem Paradies, dem Tod überlassen. Gott aber hat durch den Opfertod seines Sohnes Jesus die Erlösung gebracht, die wir von uns aus nicht haben können. Deshalb sind die Verse hier, wenn sie auch etwas düster klingen, sehr hoffnungsvoll, so dass wir auf Maria blickend wissen, welche große Zukunft in der Ewigkeit vor unseren Augen steht. Wir singen jetzt die deutsche Version „Salve, Regina“: Salve! Maria, Königin, Mutter und Helferin, Maria, salve! Du unsres Lebens Freud, Trost in der Verlassenheit, Maria, salve. Dich rufen allzumal in diesem Tränental wir Evas Kinder; weinen so manche Stund, klagen aus Herzensgrund wir armen Sünder. 5. Station – Feldkirchle Singen wir gleich zu Beginn die erst Strophe von Segne, Du Maria. Segne, Du Maria, segne mich, dein Kind, dass ich hier den Frieden, dort den Himmel find! Segne all mein Denken, segne all mein Tun, lass in deinem Segen, Tag und Nacht mich ruhn ! Erstaunenswert ist doch, welchen Weg diese Melodie mit ihrem Text nahm, das am 30.05.1870 entstand. Es ist das einzige der heute von mir ausgewählten Lieder, das aus der jüngeren Zeit kommt. Hier die Geschichte des Liedes: (entnommen aus Informationen aus der Kirche und Welt) Bei einer Umfrage in den Pfarreien Deutschlands und Österreichs, welche Lieder in ein neues „Gotteslob“ aufgenommen werden sollten, erreichte das Lied „Segne, du Maria“ ganz unerwartet den ersten Platz in der Reihe der Kirchenlieder. Der Text zu dem Lied stammt von Cordula Wöhler, die von Kindheit an ihren Weg mit Maria gegangen ist. Cordula Wöhler wurde 1845 in Mecklenburg geboren und stammt aus einem protestantischen Pfarrhaus. Von früher Kindheit an fühlte sie sich zu Maria hingezogen, die in einer alten gotische Pieta (Schmerzensmutter mit dem Leichnam Jesu auf den Knien) in ihrer protestantischen Kirche darge-stellt war. Sie hat oft heimlich vor dieser Statue zu Maria gebetet. Als ihre Eltern bemerkten, dass ihre Tochter Maria verehrte, entfernten sie kurzer-hand die Statue, da es nach protestantischer Vorstellung keine Verehrung für Maria geben darf. Aber Cordula, die sehr intelligent und wissbegierig war, beschäftigte sich wei-ter mit dem Glauben und stieß auf ver-schiedenste Fragen, die den katholi-schen Glauben betrafen, vor allem die Frage nach der eucharistischen Gegen-wart. Auf einer Reise lernte sie dann die katholische Kirche kennen und nach jahrelangem Ringen fasste sie den Ent-schluss, katholisch zu werden. Der Schritt war schwierig für sie, denn sie spürte sofort den Widerstand ihrer Eltern, die ihr sagten, sie müsse gehen, wenn sie katholisch würde. Sie vertrau-te sich am letzten Tag des Maimonats 1870 der Großmutter an und schrieb das Gedicht „Segne, du Maria“. Kurz darauf teilte sie ihren Entschluss den Eltern mit. In dem Gedicht schrieb sie sich alle Anliegen von der Seele, vertraute all ihr Denken und Tun der Gottesmutter an. Der Bruch mit ihrer Familie war unvermeidbar. Sie ging nach Tirol und arbeitete dort auf einem Bauernhof als Magd. Später heiratete sie und war auch schriftstellerisch tätig. Nach längerer Zeit akzeptierten auch die Eltern und Geschwister ihren Weg in die katholische Kirche. „Segne, du Maria… » ist entstanden aus der inne-ren Not, die eine Glaubensent-scheidung und die Treue zum Ruf Gottes mit sich bringen kann. In der Ungewissheit darüber, was alles auf sie zukommen könnte und im Wissen, dass es Opfer kosten und Leiden mit sich bringen würde, hat Cordula Maria angerufen und sich und ihre Lieben dem Segen der Gottesmutter anver-traut. Das ist es, was wir immer wieder tun dürfen. Mit den restlichen Strophen, dem „Vater unser“ und dem „Segen“ endete die eindrucksvolle Meditation. Anschließend trafen sich die 27 Teilnehmer im Ponyhof zum gemütlichen Abschluss. Dieter Blumhofer |
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Fotos: Frau Rösler und Frau Mächtel |

